Angelita Krama

LRR-Material Science, Henkel AG & Co. KGaA | Universität Stuttgart, Institut für Physikalische Chemie

PhD Student MultiSmart Networkd

Aktuelle Vorträge / Poster

14.10.2026

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Orthogonale Selbstorganisation von wurmartigen Mizellen aus Biotensiden und einem Bis-Harnstoff-Gelbildner zur nachhaltigen Rheologiemodifikation

(nach dem Kongress in der SOFW Mediathek verfügbar)

Vortragssprache: English

Die Entwicklung nachhaltiger Rheologiemodifikatoren gewinnt zunehmend an Bedeutung, da viele herkömmliche Strukturgeber aus fossilen Rohstoffen stammen, oftmals nur begrenzt biologisch abbaubar sind oder als Mikroplastik klassifiziert werden müssen. Dadurch entsteht ein klarer Bedarf an umweltfreundlichen Alternativen, die erstrebenswerte rheologische Eigenschaften ermöglichen, ohne auf traditionelle synthetische Polymere zurückzugreifen.
Mikrobielle Biotenside stellen ferner eine vielversprechende Klasse erneuerbarer und biologisch abbaubarer Amphiphile dar, die komplexe Strukturen wie wurmartige Mizellen bilden können, welche in Konsumgütern weit verbreitet zur rheologischen Modifizierung eingesetzt werden.
Wurmartige Mizellen zeigen jedoch trotz starker Verschlaufungen ein terminales Fließverhalten und können daher keine “echte” Fließgrenze erzeugen – ein entscheidendes Merkmal zur Stabilisierung heterogener Systeme wie Suspensionen oder Emulsionen. Um eine definierte Fließgrenze zu erzeugen, ohne erneut nicht biologisch abbaubare Polymere einzusetzen, bieten niedrigmolekulare Gelatoren (LMWGs) eine attraktive, mikroplastikfreie Alternative. Da Tenside jedoch die Nukleation und Netzwerkarchitektur von LMWGs stark beeinflussen können, ist das Design kombinierter Biotensid?LMWG?Systeme nicht trivial.
In dieser Arbeit untersuchen wir das kombinierte Self Assembly von Mannosylerythritol Lipid B (MEL?B), einem mikrobiellen Biotensid, das bereits bei niedrigen Konzentrationen wormlike micelles bildet, und einem Bis?Urea?LMWG, der aus 4,4??Methylen­diphenyl­diisocyanat und L?Alaninol synthetisiert wurde (MDI?2). Mittels Rotationsrheologie und diffusing wave spectroscopy (DWS) wurden die Gelierungskinetik, die Entwicklung der rheologischen Eigenschaften und die Strukturänderungen während der Netzwerkbildung charakterisiert.
Unsere Ergebnisse deuten auf einen orthogonalen Selbstassemblierungsmechanismus hin, bei dem die MDI?2?Fasern unabhängig vom mizellaren Netzwerk des MEL-B wachsen. Diese entkoppelte Assemblierungs ermöglicht die gleichzeitige Ausprägung von Viskoelastizität durch das Mizellnetzwerk und einer durch LMWG induzierten Fließgrenzen. Damit kann das System einen nachhaltigen, mikroplastikfreien Ansatz zur Entwicklung gezielt einstellbarer rheologischer Profile für Verbraucherprodukte bieten.

78 | Kontrolle der amphiphilen Filmbiegung mit MEL‑B und Rhamnolipid: physikochemische Einblicke in nachhaltige Tensidsysteme

Herkömmliche Formulierungen für Wasch-, Haushalts- und Körperpflegeprodukte basieren oft auf synthetischen Tensiden, die aus Erdöl gewonnen werden. Auf dem Weg zu nachhaltigeren Produktkonzepten bieten Tenside aus erneuerbaren, mikrobiellen Quellen einen vielversprechenden Ansatz. Ein Beispiel hierfür ist das mikrobielle Glykolipid Mannosylerythritol-Lipid B (MEL-B, überwiegend C15), das sich durch eine starke Hydrophobie, eine hohe Affinität zu Ölen und Fetten sowie eine ausgezeichnete Grenzflächenaktivität auszeichnet. Allerdings ist MEL-B allein zu hydrophob und weist eine begrenzte Wasserlöslichkeit auf, was seine Leistungsfähigkeit in Reinigungsanwendungen einschränkt. Sein Packungsparameter, der nahe bei eins liegt, führt zur Bildung von Doppelschichten und Vesikeln anstelle der stark gekrümmten Aggregate, die für eine effiziente Solubilisierung erforderlich sind.
Um die Krümmung anzupassen und die Funktionalität zu verbessern, kombinieren wir MEL-B daher mit dem hydrophileren Biotensid Rhamnolipid (RL, C10–C10), das sphärische Mizellen bildet. Durch das Mischen beider Amphiphile lässt sich die Krümmung des gemischten Grenzflächenfilms systematisch steuern. Dadurch wird der Zugang zu Strukturen ermöglicht, die für die Formulierungswissenschaft und die Reinigungsleistung relevant sind.
Mittels Ringtensiometrie, Spinning-Drop-Tensiometrie, Maximum-Bubble-Pressure-Tensiometrie, dynamischer Lichtstreuung, Rheologie, Polarisationsmikroskopie, Kleinwinkel-Röntgenstreuung und optischer Phasenanalyse untersuchen wir die physikalisch-chemischen Eigenschaften und das Phasenverhalten von MEL-B/RL-Mischungen. Mithilfe dieser sich ergänzenden Techniken können wir den Einfluss der Mischungen auf die Grenzflächeneigenschaften von Luft/Wasser und Öl/Wasser sowie auf die Aggregationskinetik verdeutlichen.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass MEL-B/RL-Mischungen die Krümmung und Packung des amphiphilen Films signifikant verändern. Während das RL-Phasendiagramm einen Übergang von einer isotropen zu einer hexagonalen Phase zeigt, geht das ternäre MEL-B/RL/Wasser-System von sphärischen Aggregaten zu lamellaren Strukturen über. Diese Ergebnisse belegen, dass bereits geringe Mengen an MEL-B die Krümmung wirksam reduzieren und flachere Anordnungen an der Grenzfläche begünstigen.
Insgesamt bieten MEL-B/RL-Mischungen somit ein erneuerbares, abstimmbares Tensidsystem mit einstellbarer Krümmung, Grenzflächeneigenschaften und Phasenverhalten, was die Entwicklung nachhaltigerer Formulierungen für die Körperpflege unterstützt.